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12.07.2013

Auch Baden-Baden denkt an Aimé Césaire

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bild: Gerhard Kesselhut

Vor hundert Jahren ist Aimé Césaire in einem kleinen Städtchen auf Martinique geboren worden. Dies war für Frankreichs Staatspräsident Hollande Anlass seiner im Pantheon in Paris zu gedenken und sein Ministerpräsident flog eigens nach Martinique, um den dort wie Mandela Verehrten zu würdigen.

Hierzulande ist der Dichter, Politiker und Lehrer fast gänzlich unbekannt. Aus diesem Grund haben die "Vereinigung der Freunde Martiniques" und die Deutsch-Französische Gesellschaft Baden-Baden unter freundlicher Mitwirkung der Stadtbibliothek dorthin zu einem Vortrag eingeladen, in welchem Madeleine Klümper-Lefebvre Aimé Césaire vor allem durch klug ausgewählte Zitate lebendig werden ließ.

Dieser aus einer bildungsbürgerlichen Familie entstammende Junge genoss in Martinique eine klassische französische Schulbildung. Wegen seines ausgezeichneten Abiturs erhielt er die Möglichkeit, in Paris zu studieren. Seine erste Begegnung mit der Stadt an der Seine war für ihn ein Kulturschock: er wurde sich seiner Hautfarbe und seiner kolonialen Herkunft bewußt. Rasch lernte er andere Studenten kennen, die wie seine eigene Großmutter aus Afrika stammten und ein scharfes Bewusstsein ihres Erbes als Nachfahren von Sklaven entwickelten. Mit einem glänzenden Lehrerdiplom in der Tasche und mit aufwühlenden Gedanken und Selbstzweifeln im Kopf kehrte er nach Martinique zurück, um in seinem ehemaligen  Lycée nun selbst als Lehrer zu unterrichten.

Diese Rückkehr war für ihn ein erneuter Kulturschock, der ihm deutlich machte, dass er vielleicht als Politiker die Möglichkeit hätte, seinen insularen Landsleuten aus ihrer Misere zu helfen. Césaire wurde für Jahrzehnte Bürgermeister der Hauptstadt der Insel und ebenso viele Jahrzehnte Député in der Assemblée National in Paris. Zwischen beiden Welten pendelnd war er maßgeblich daran beteiligt, dass Martinique ein echtes französisches Departement wurde, in dem heutzutage genauso wie bei uns mit dem Euro bezahlt wird. Als Maire hat er unendlich viel zur konkreten Verbesserung der Lebensumstände auf der Insel getan.

Sein eigentliches Bemühen aber galt der Entwicklung eines eigenständigen Selbstbewusstseins der Menschen, die durch Sklaverei und Kolonialisierung ihre Weltorientierung verloren hatten. Dazu sollten vor allem seine Gedichte und seine Theaterstücke beitragen.

Der Präsident der "Vereinigung der Freunde Martiniques", M. Chéri-Zécoté bedankte sich von ganzem Herzen bei der Referentin für ihre Würdigung seines großen Landsmannes und formulierte einen "Traum", der Baden-Baden als "französischte Stadt Deutschlands" wohl zu Gesicht stünde: eine Statue von Aimé Césaire zum Gedenken an einen Mann, der in seinem langen Leben unermüdlich für die Unterdrückten dieser Welt gekämpft hat.

Günther Klümper, Madeleine Klümper-Lefebvre, Serge Chéri-Zécoté und Dr. Heinrich Niederer (von links nach rechts)