DFG Baden-Baden
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20.03.2013

Deutsch-französische Zeder

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Der 50. Jahrestag des Elysée Vertrags ist auch für die Deutsch- französische Gesellschaft Baden-Baden eine besondere Herausforderung. Unsere Stadt darf sich zu Recht als Wiege dieses Vertrags bezeichnen, haben sich doch im hiesigen Hotel Brenner's General de Gaulle und Konrad Adenauer zu den entscheidenden ersten Vorgesprächen getroffen.

Neben mehreren Vortragsveranstaltungen wollte die DFG ein ganz besonderes, über den Tag hinaus wirkendes Zeichen setzen. So entstand die Idee, einen Baum zu pflanzen, um die heutigen und die kommenden Geschlechter an die stets neu zu begründende Freundschaft der beiden Völker zu erinnern. Die Stadt griff diesen Gedanken freudig auf und war bereit, sich an diesem Projekt zu beteiligen.

Für die DFG sollte der Baum unbedingt deutsche und französische Paten haben. Was lag näher, als das im November 2012 in Colmar ins Leben gerufene "Triangle franco-allemand" der deutsch-französischen Gesellschaften von Baden-Baden, Colmar und Freiburg zur Patenschaft zu bitten?

Am 20. März 2013 war es es so weit. An prominentem  Platz direkt neben der berühmten Trinkhalle neben dem Casino von Baden-Baden wurde unter begeisterter Anteilnahme eines binationalen Publikums und in Anwesenheit aller lokalen Medienvertreter eine schon mehr als sechs Meter hohe Zeder gepflanzt.

Herr Oberbürgermeister Gerstner hob in seinem Grußwort die ganz besondere deutsch-französische Geschichte Baden-Badens hervor gerade auch im Blick auf das Entstehen des Elysée Vertrags. Die Präsidentin des Cercle franco-allemand de Colmar, Madame Nicole Couratier, erinnerte in deutscher und französischer Sprache an die Anfänge ihres Cercle zur Zeit der Gründung des Goethe Instituts zu Colmar und der nun schon zehnjährigen Verbundenheit mit der hiesigen DFG.

Der Präsident der baden-badischen DFG, Herr Dr. Heinrich Niederer, machte auf die Besonderheit des Pflanzortes aufmerksam: genau an dem Platz der Zeder erhob sich früher ein Denkmal für den Dichter Reinhold Schneider. Sein Werk passt geradezu ideal zu dem neu gepflanzten Baum.

Reinhold Schneider war einer der wenigen deutschen Dichter, die während des Dritten Reiches nicht emigrierten und trotz Publikationsverbots  gegen den Geist des Nationalsozialismus mit ihren Schriften ankämpften. In der Zeit von 1941 bis 1944 erreichte er ein Millionenpublikum nur dank der Hilfe eines Mannes aus Colmar!

Es war M. Joseph Rossé, der Leiter des Alsatia Verlages in Colmar, der seine Schriften druckte und sie auch in Umlauf brachte. Ein Colmarer Verleger als Kämpfer wider den Ungeist der damaligen Okkupationsmacht! An welch besserem Platz hätte die Zeder gepflanzt werden können?

Herr Prof Dr. Rolf Jackisch, der Repräsentant der DFG Freiburg, brachte in seinem Grußwort ein Gedicht Reinhold Schneiders zu Gehör, das den Titel trägt: "An meine Zeder" und Bezug auf den Baum nimmt, der heute noch vor dem ehemaligen Wohnhaus des Dichters in Freiburg steht.

Nach all den guten Worten der Paten war es unserem Gartenbaudirektor, Herrn Brunsing, ein Leichtes, seine Baumwahl zu begründen: eine Eiche wäre zu  "deutsch" gewesen, ein Ahorn vielleicht zu " französisch", aber eine Zeder, schon von Salomon gerühmt, ist ein "grenzenlos" beliebter Baum!

Nun hieß es: An die Spaten! Und bei strömendem Regen, also vom Himmel mit lebensspendendem Nass begünstigt, wurde der Zeder das nötige Erdreich zugeschaufelt.

Möge sie wachsen und gedeihen, so dass zum Frühjahrsbeginn 2063 wieder Deutsche und Franzosen sich unter dem dann schon prächtigen Baume versammeln und gemeinsam für die zurückliegenden 100 Friedensjahre danken und auf die nächsten 50 Friedensjahre anstoßen!