DFG Baden-Baden
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02/20/10

Rebell aus Liebe

Ein begeisternder Jacques Brel –Abend der DFG

 

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Bis auf den letzten Platz war der Runde Saal des Kurhauses besetzt, als Präsident Jean-Marc Culas das von weither zusammengeströmte Publikum begrüßte und die beiden Künstler des Abends vorstellte: Philippe Huguet den Sänger und Christian Maurer den Pianisten.

Huguet ging gleich zur Sache und zog seine Zuhörerschaft mit der Kraft seines Gesangs und durch seine ausgreifende Gestik und Mimik mit Macht  in die Welt von Jacques Brel: Chanson auf Chanson zeigte, dass Brel kein gewöhnlicher Paris- und Frauenverhimmler war, der im Klang des schwermütigen Akkordeons die Midinette-Musik auferstehen lassen wollte. Nein, das war eine völlig neue eigenständige Stimme, der der Nachkriegsbürgerwelt den Spiegel vorhielt und sich damals damit eine Menge Feinde schaffte. Er verspottete aber nicht nur die Bourgeois sondern auch sich und seine Welt: seine gute Erziehung, die ihn daran hinderte, den Liebhaber seiner Frau umzubringen; die Mädchen, die er liebte und die ihn solange liebten bis sie den Nächsten liebten; die Säufer und Clochards, mit denen er soff und immer wieder durch seinen Lebensmut aufzurichten versuchte.

In der Pause zeigte es sich, dass diesmal viele Belgier und Belgierinnen zur DFG gefunden hatten, war doch Brel eigentlich ihr Landsmann und der Begleiter ihrer Jugend. Die, die Jacques Brel persönlich erlebt hatten, waren völlig begeistert, wie genau Huguet den Ton traf ohne eine Kopie anzustreben.

Der zweite Teil des Abends zeigte nochmals die ganze Bandbreite des Brel’schen Werks: von der zartesten melancholischen Liebeslyrik bis zum vulkanisch hinausgeschleuderten Protest gegen eine Welt der Borniertheit, der Kriege und vor allem der Lieblosigkeit. Und so war es einfach richtig, dass Huguet mit dem berühmten „J’arrive“ den Vortrag beschloss: Das Lied von der Bereitschaft zum Tode, die von Jacques Brel früh eingefordert wurde.

Standing Ovations  erbrachten das großartige Seemannslied „Amsterdam“, in dem Brel die rauhe und doch lebenspralle Welt der Seeleute besingt. Auf besondere Bitte von Jean-Marc Culas sang Huguet zum Schluss das Lied „L’Inaccessible Étoile“ von La quête, das von der Notwendigkeit kündet, dass die Menschen unerreichbaren Zielen nachstreben müssen, wenn es der Welt besser gehen soll. So klang ein unvergesslicher Abend aus, dessen Reinerlös der Hilfe für Haiti zugutekommen wird.