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03/23/10

Berlins Faszination

Bericht: Dr. Heinrich Niederer

Im vollbesetzten Vortragssaal des Ludwig-Wilhelm-Stifts konnte der Präsident der DFG, Jean-Marc Culas, ein deutsch-französisches Publikum begrüßen, das auf einen Vortrag in französischer Sprache über „Die Faszination Berlins auf heutige junge Franzosen“ gespannt war.

Die seit Jahrzehnten diesseits und jenseits des Rheins lehrende Jeanne Moll streifte zunächst die Geschichte der französischen Berlinbeziehungen von der Aufnahme der Hugenotten bis zur Ankunft der französischen Besatzungsmacht 1945 und deren endgültigen Abzug 1994.

Im Mittelpunkt ihrer Ausführungen stand die heutige Faszination der Stadt, in der zur Zeit etwa 15 000 Franzosen leben und in Handel, Verwaltung, Medien aber vor allem in der „kreativen Szene“ leben und in der noch heute die „Gazette de Berlin“ erscheint, ein von den Hugenotten 1743 gegründetes Blatt.

Was zieht nun französische  Medienschaffende, Photographen, Schriftsteller ja sogar eine Chansonsängerin  von der Seine an die Spree? Sie alle sind fasziniert von der Aufbruchsstimmung, von der Offenheit für verschiedenste Lebensentwürfe, von dem Baustellencharakter der Stadt, der die Menschen dazu ermutigt, sich selbst neu zu erfinden. Dazu kommt, dass Berlin mit Abstand die preiswerteste europäische Hauptstadt ist und dadurch junge noch nicht etablierte Künstler magnetisch anzieht. Die junge Sängerin Corinne Douarre  sagt das so: „Auf dem Prenzlauer Berg hat man kein Geld aber Zeit. Zeit um Chansons zu schreiben, Zeit sich zu verlieben und nächtelang durch die Bars zu bummeln…“Beeindruckend für die französischen Künstler ist auch die überall sichtbare  Geschichte: „Keine andere Stadt der Welt hat so viele Gedenktafeln“, stellt die polnisch-französische Jüdin Cécile Wajsbrot fest, die ihren französischen Landsleuten ein ebensolche intensive Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte empfiehlt.

Was allen von Jeanne Moll vorgestellten Künstlerinnen und Künstlern an ihrer Wahlheimat Berlin übereinstimmend  am besten gefällt, ist die Weite der Stadt, ihre Seen, die Wälder, die berühmte Berliner Luft und über allem der  Himmel! Die junge Sängerin hat es mit heutiger Sprache auf den Punkt gebracht. Ihr neues Album trägt den Titel “Ciel XXL“ !

Jeanne Moll beendete Ihre Tour d‘horizon durch die heutige französische Kunst-Szene Berlins mit einer Fülle von Buch-und Medienhinweisen, die Lust zum eigenen Forschen weckten. Das  Publikum dankte mit großem Beifall und Jean-Marc Culas mit einem guten französischen Rotwein.