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05.05.2010

Besuch der Krutenau in Straßburg

Deutsch-Französische Gesellschaft trotzt Wind und Wetter

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Das Wetter hätte kaum ungemütlicher sein können dafür aber die Stimmung der Mitreisenden nicht besser. So fuhr am gestrigen Mittwoch eine große Gruppe der hiesigen DFG mit dem Bus nach Straßburg, um ein Quartier fernab von den Touristenströmen zu erkunden: die Krutenau.

Bild 01: Henri in seinem Element
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Bild 03: 31 Teilnehmer
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Bis zur Mitte des 19.Jahrhundert war dieses südöstlich von der Kathedrale und jenseits der Ill gelegene Gebiet die Hafenzone, die mit ihren vielen Wasserarmen und dem Hauptkanal, dem sog. Rheingiessen die Stadt mit dem großen Strom verband. Der ganze internationale Rheinhandel Straßburgs wurde über die Krutenau abgewickelt. Unter der Leitung von Dr. Niederer wollte die Gruppe herausfinden, ob man von alledem heute noch irgendwelche Spuren entdecken kann.

Aus diesem Grund begann der Aufenthalt in der ultramodernen „Wasser-City“ mit seiner riesigen Einkaufsmeile „Rivétoile“, der Ciné-Cité und den Appartementhäusern mit ihren Loftwohnungen mit Blick bis zum Schwarzwald. Die ganze Zeile liegt mit ihrer Schauseite zum Wasser hin zu einem Nebenarm der Ill, der hier die Hafenbecken des ehemaligen Frachthafens von Straßburg bildet und noch heute für die  Personenschiffe die Verbindung zum Rhein ermöglicht.  Äußerst wirkungsvoll stehen noch die Frachtkräne wie große Kunstskulpturen an den Beckenrändern und bieten einen reizvollen Kontrast zu dem auf der anderen Uferseite aus einem früheren Speicher zur  Mediathek „André Malraux“ verwandelten Kulturzentrum. Der Besuch dieser vorbildlichen Institution zeigt die Bemühungen der Stadt Straßburg durch Kulturarbeit zur Aufwertung sozial schwieriger Quartiere beizutragen.

Die anschließende große Wanderung um die gesamte Krutenau machte allzu rasch deutlich, dass angesichts riesiger Wohnblocks, vieler moderner Universitätsgebäude und Studentenwohnheime für die derzeit 42.00 Studenten die „alte Welt der Krutenau“ nur noch dem durch alte Zeichnungen und historische Fotos  geschulten Blick erkennbar wird. Mit solchen Augen fallen plötzlich Straßennamen auf wie: Hechtgasse, Katzenbrücke, Entengässlein. Der seltsame Verlauf und die heute unnötige Breite der Rue Zürich wird nun verstanden als der zugeschüttete Rheingiessen-Kanal und an den beiden Straßenseiten kann man sich die dort zum Be-und Entladen vertäuten Boote vorstellen. Nun fragt man sich auch, weshalb in diesem seltsamen Quartier der zentrale Platz“ Place Zurich“ heißt: Die Züricher waren zur Reichsstadtzeit Bundesgenossen der Straßburger und bewiesen ihre Fähigkeit zur raschen Unterstützung 1576 durch die berühmte Hirsebrei-Fahrt von Zürich auf der Limmat rheinabwärts bis in die Krutenau und der mitgebrachte Hirsebrei war in seinem Topf noch warm! Dieses Ereignis wird bis zum heutigen Tag durch einen Brunnen mit entsprechenden Gedenktafeln ins Gedächtnis gerufen. Diese und viele andere Eindrücke wurden beim Mittagstisch im ehrwürdigen „Au Renard Prêchant“ oder im nicht minder pittoresken „Cinecittà“ vertieft.

Der Nachmittag war dem Palais Universitaire gewidmet. Wir flanierten an der Ill entlang und lasen wieder Straßennamen wie Quai der Bootsmacher, Quai der Fischer und erreichten das der alten Universität gegenüber liegende Café Brant, benannt nach dem berühmten Straßburger Juristen und Autor des von Dürer illustrierten Romans „Das Narrenschiff“. Gerne wärmten wir uns in dem Café auf, in welchem auch Churchil  mit der berühmten Zigarre seine Pausen genoss, als er 1948 an den ersten Europaratssitzungen in der Uni teilnahm. So wieder aufgewärmt betrachteten wir auf dem Vorplatz der Uni das berühmte Goethe-Denkmal, das an seine Studien in der Stadt und seine amourösen Abenteuer mit Friederike Brion in Sesenheim erinnert. Schließlich waren wir alle tief beeindruckt von dem großen und ungemein festlichen mit Glas überdachten Foyer des Hauptgebäudes der ehemaligen Kaiser-Wilhelms-Universität, deren Geschichte tief mit der deutschen Politik und Geistesgeschichte verbunden ist, was die am Eingang angebrachten Gedenkplaketten zur Genüge beweisen.

Nach diesem anstrengenden Tag hatten wir alle die Heimfahrt verdient.