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Reise nach Nancy vom 19. bis 20. Mai 2010

Ehrenvoller Empfang der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Nancy

Bericht: Dr. Heinrich Niederer

Im Rahmen ihrer kulturgeschichtlichen Exkursionen besuchte eine Delegation der DFG Baden-Baden Nancy. Bei einem zweitägigen Aufenthalt  wollte die Gruppe die Schätze dieser seit Jahrhunderten im Brennpunkt der europäischen Geschichte stehenden Stadt kennen lernen. Dabei waren vor Ort Herr Dr. Goebel, der Präsident der „Maison Franco-Allemande de Nancy“ und seine Mitarbeiter behilflich.

Dr. Goebel begann seine Stadtführung überraschender Weise auf der Place d’Alliance, einem schönen mit der  „Place des Vosges“  in Paris vergleichbaren im Quadrat gleichmäßig umbauten Platz, auf dem ein Brunnen an die Allianz zwischen dem französischen Königshaus und dem Hause Habsburg erinnert. Das war aber der geschichtlich angemessene  Ausgangspunkt  für die paar Schritte zum  weltberühmten Platz Stanislas, dem UNESCO-Weltkulturerbe. Dort öffnete uns Dr. Goebel die Augen für die vielfältigen  Zusammenhänge familialer, dynastischer und machtpolitischer Natur in dem sehr bewegten Dreieck Frankreich, Habsburg und Polen. Die ganze Platzanlage, das  Denkmal – einmal für Louis XV. dann für Stanislas – die  Öffnung des Platzes  auf den Palast des Französischen Statthalters des eigentlichen Herrn von Nancy und Lothringen; all das wurde durch seine Ausführungen für die Gruppe allmählich verstehbare „gebaute Geschichte“. Richtiger Weise endete die Führung im  Herzen der Altstadt im wundervoll restaurierten mittelalterlichen Herzogspalast  mit der Grablege all der Habsburger, die nicht als Kaiser in der Wiener Hofburg dem Jüngsten Gericht entgegen ruhen. Es war  tief beeindruckend eine Inschrift  zu entdecken über den Besuch der jungen Marie-Antoinette, die auf ihrem Hochzeitszug nach Paris die Gräber ihrer Ahnen besuchte, nicht ahnend, welches Schicksal ihr beschieden war oder auch Hinweise auf die Hochzeit Otto von Habsburgs in eben dieser Kapelle 1952.

Nach  solcher  Führung war die Gruppe aufgeschlossen für den eigentlichen Höhepunkt des Aufenthaltes, dem Empfang im prächtigen Rathaus der Stadt. Herr Bürgermeister Berlemont, ein Liebhaber Baden-Badens, begrüßte uns herzlich und drückte seine Freude über  die freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder aus. Er betonte die Wichtigkeit solcher Vereinigungen wie der DFG für die Vertiefung der binationalen Beziehungen. In seiner  französisch vorgetragenen Erwiderung bedankte sich Herr Vizepräsident Gérard Kesselhut für die Ehre dieses Empfangs und machte deutlich, dass sich die Delegation bewusst war, dass vor fast genau 70 Jahren andere Vertreter Deutschlands mit anderen Absichten sich Zugang zu demselben Rathaus verschafft hatten. Solchem Ungeist zu wehren, sei  das eigentliche Anliegen der deutsch-französischen Gesellschaft Baden-Baden. Das gemeinsame Foto in dem großen Festsaal, dessen Glanz  an Versailles erinnert, machte die tiefgreifenden Änderungen der zurückliegenden siebzig Jahre deutlich.

Der erste Tag klang mit einem gemeinsamen Essen in dem Jugendstilrestaurant „Flo Excelsior“ aus. Die Unermüdlichen pilgerten nochmals zur Place Stanislas, um sie noch bei nächtlicher Beleuchtung zu bewundern.

Der  Besuch  in der Jugendstil-Brasserie  legte  bereits den Grund für das Leitmotiv des zweiten Tages: Nancy, die Stadt des Jugendstils. Dank der entsprechenden Unterlagen wurde der Fußweg vom Hotel zum „Musée de L’École de Nancy“ zu einem Entdeckungsparcours von unglaublichen Jugendstilperlen am Wege. Im Museum selber konnten wir dann den Werken von Gallé, Daum, Prouvé, Majorelle und von den anderen Meistern begegnen. Der nachmittägliche Besuch im „Musée des Beaux Arts“ mit den neu gestalteten Räumen für die Meisterwerke der Glaskunst des Jugendstils ließ den unglaublichen Umfang des Formenreichtums und der Kreativität dieser Künstler erahnen.

Nach all diesen Eindrücken verabschiedeten wir uns von Herrn Dr. Goebel und seinen Helferinnen und Helfern. Dies fiel uns nur  insofern leicht als wir uns schon auf ihren Gegenbesuch am 6.Juni bei uns in Baden-Baden freuen, zumal wir glauben, dass wir selbst verwöhnte Gäste aus Nancy bei uns in Baden-Baden  mit unserem kulturellen Reichtum und der Schönheit unserer Natur auch verzaubern können.