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10.03.2011

Langes Ringen um das moderne Weltbild

Prof. Dr. Bernard Faidutti bei der deutsch-französischen Gesellschaft

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bild: Dr. Ulrich Stier

Bis auf den letzten Platz war das Auditorium der DFG besetzt, als Dr. Stier im Namen des Vorstandes Herrn Prof. Dr. Bernard Faidutti aus Genf begrüßte. Prof. Faidutti, von Beruf Kardiologe an der Uniklinik in Genf, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den  Auseinandersetzungen zwischen den Wissenschaften und den Mächtigen in Politik und Religionen quer durch die Jahrhunderte und die Weltregionen.

In seinem in französischer Sprache gehaltenen Vortrag führte er die Zuhörer auf ungemein fesselnde Weise durch das  Jahrtausende währende Bemühen der Menschen, sich eine feste Basis im Ablauf der Gezeiten zu erarbeiten. Ob Bauer oder Priester, ob Kaufmann oder Herrscher alle waren auf die Planbarkeit ihres Tuns angewiesen. Dies war die Triebkraft der Erforschung der Relation von der Erde zu den Gestirnen und  vor allem zu unserem Zentralgestirn der Sonne. Dass sie die Spenderin allen Lebens ist, war allen Hochkulturen klar. Der Augenschein ihres täglichen Auf-und Untergangs verführte zunächst zum ptolemäischen Weltbild .

Von dessen Erkenntnissen ausgehend, zeigte Prof. Faidutti auf, wie in  Orient und Okzident sich die besten Geister um die Aufklärung der durch dieses Weltbild unausweichlichen Ungenauigkeiten bemühten. So gelangte er zu den entscheidenden Denkern der Neuzeit, die beginnend bei Regiomontanus und Tycho Brahe  über Copernicus und Kepler schließlich zu Galilei führten und damit zum Beweis der Richtigkeit des heliozentrischen Weltbilds.  Freilich bedeutete die Entdeckung dieser „Wahrheit“ noch lange nicht ihren Durchbruch! Wenn auch die Entdeckungen eines Kolumbus und der Aufbau von Kolonialreichen, in denen die Sonne nicht unterging nur auf der Basis des neuen Weltbildes möglich waren und von den Herrschenden forciert wurden, das gemeine Volk sollte mit allen Mittel der Repression und Inquisition am neuen Denken gehindert werden. Nur so konnten die alten Hierarchien aufrecht erhalten werden und sich legitimieren.

Nicht zuletzt die von Frankreich ausgehende Aufklärung und schließlich vor allem die Französische Revolution verhalfen dem neuen Weltbild zumindest in Europa und der angloamerikanischen Welt zum Durchbruch. Dass das von Prof. Faidutti beschriebene Ringen der Wissenschaften mit den Mächtigen bis heute anhält - und das trotz Weltraumfahrt und aller modernen Medien -  zeigt täglich der Blick in unsere Medien: Die „Wahrheit“ ist stets und überall gefährdet und „Talibane“ gibt es in tausend Verkleidungen.

Mit lang anhaltendem Beifall dankte das Publikum für den überaus lebendigen und im wörtlichen Sinne lehrreichen Vortrag.