DFG Baden-Baden
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11.10.2011

Hommage für Jean-Marc Culas

Bericht: Dr. Heinrich Niederer

Seit Herbst 2008 bietet das Ehepaar Madeleine Klümper-Lefevbre und Günther Klümper  für die DFG und für  die interessierte Öffentlichkeit der Stadt ihre „Streifzüge durch die Französische Lyrik“ in unregelmäßigen Abständen an. Die nunmehr 13. Veranstaltung widmeten beide dem im September 2011 verstorbenen Präsidenten der DFG, Herrn Jean-Marc Culas.

Um  Jean-Marcs Einstellung zu den existenziellen Fragen von Leben und Tod zu entsprechen, wählten MKL und GK  einen Dichter und von diesem ein ganz besonderes Gedicht aus, das in unserem Sprachraum wohl wenig bekannt ist.

Es handelt sich um Birago Diop (1906 Dakar – 1989 Dakar) den berühmten senegalesischen Dichter, der sich nach seiner französischen Ausbildung zum  Tierarzt – ein Metier, das er lange Zeit in verschiedenen afrikanischen Ländern ausgeübt hat – mit afrikanischer Lyrik beschäftigt und dabei das Konzept  der Négritude des senegalesischen Dichter-Präsidenten Léopold Senghor kennengelernt hat. Er begann die mündlichen Überlieferungen seiner Heimat zu sammeln und ließ sich durch sie zu seinen eigenen Gedichten inspirieren. Sein wohl berühmtestes Gedicht, das in vielen Gedichtsammlungen Afrikas und der französisch sprachigen Länder vertreten ist,  bot sich für die Hommage für Jean-Marc geradezu an: „Souffles“  MKL trug das  Gedicht  in Gänze französisch vor und GK übertrug es anschließend ins Deutsche.

 Das Gedicht gehört ganz in die uralte afrikanische Denkkultur, die  wir vielleicht am ehesten als eine pantheistische entschlüsseln können. Eine Strophe aus dem wunderbaren Text soll hier eingerückt werden:

« Ceux qui sont morts ne sont jamais partis :

Ils sont dans l’Ombre qui s’éclaire

Et dans l’Ombre qui s’épaissit.

Les Morts ne sont pas sous la Terre :

Ils sont dans l’Arbre qui frémit,

Ils sont dans le Bois qui gémit,

Ils sont dans l’Eau qui coule,

 Ils sont dans l’Eau qui dort,

 Ils sont dans la Case, ils sont dans la Foule :

Les Morts ne sont pas morts. »

Diese Hommage für Jean-Marc wird in den  vielen Zuhörern dieses Abends sicher noch lange nachhallen.