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01.04.2014

Friedensarbeit in Bosnien und Herzegowina

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Ein großes Publikum folgte der Einladung der Deutsch-Französischen Gesellschaft zu einem thematisch höchst interessanten Vortrag. Der Historiker Dr. Nicolas Moll, ein "waschechter" Europäer von Geburt, Erziehung und Ausbildung, ging der Frage nach: Kann die deutsch-französische Aussöhnung die Bemühungen um Versöhnung in dem vielfach zerrissenen Bosnien-Herzegowina inspirieren?

Mit eindrücklichen Bildern vermittelte er zunächst ein Bild vom heutigen Sarajevo. So legte er den Grund für einen kurzen Überblick über die Geschichte dieses "Landes". Dadurch konnte er die tiefgreifenden Unterschiede zwischen der Lage nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen Frankreich und Deutschland und der Lage Bosniens-Herzegowina 1995 nach Beendigung des mörderischen Bürger-und Bruderkrieges herausarbeiten.

Während es bei uns 1945 Sieger und Besiegte gab und die Besiegten alles daran setzten, sich von der Naziherrschaft abzusetzen, um auf völlig neuem politischen Grundgefüge sich wieder in die westliche Wertegemeinschaft einzufügen, gab es von alledem in Bosnien-Herzegowina nichts. Es gab keine eindeutigen Sieger und Besiegte. Es existierte keine Grundströmung, sich von all dem abzuwenden, was zu der Katastrophe geführt hatte. Die gleichen "Eliten" bestimmten die Politik wie vor dem Krieg. Der Friede von Dayton hatte ein unbeschreibliches angeblich ausgewogenes Konstrukt hervorgebracht, das in dem vier Millionen Volk eine geradezu absurd aufgeblähte aber gut bezahlte "Regierungsbürokratie" hervorbrachte. Deren Posteninhaber hatten und haben keinerlei Interesse an einer Änderung der Verhältnisse.

Auf dem in solcher Weise verminten Feld - erst 20 kurze Jahre nach den mörderischen Auseinandersetzungen -  versucht Dr. Moll Friedensarbeit zu leisten. Seine ersten Schritte unternahm er als Vizedirektor des Centre André Malraux in Sarajewo. Heute bietet er seine großen Erfahrungen in unterschiedlichen Kontexten an. Dabei lässt er sich von den deutsch-französischen Versöhnungserfahrungen inspirieren. Er besucht mit jungen Menschen aus Bosnien-Herzegowina, Deutschland und Frankreich Orte wie Oradour, Dachau und Verdun an. Gerade dieser Besuch verblüffte die jungen Menschen aus Bosnien-Herzegowina besonders dadurch, dass sie dort zwischen den Gräbern friedlich junge Deutsche und Franzosen herumgehen sahen. So etwas wünschten sie sich auch für ihre Friedhöfe.

Eine lebhafte Diskussion trug zur vertieften Auseinandersetzung mit dieser von Dr. Moll vorgestellten Friedensarbeit bei. Langanhaltender Beifall zeigte dem Vortragenden, dass er die Versammelten in ihrem eigenen Friedensengagement nachhaltig bestärkt hatte.