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Sasbach - Achern - Sasbachwalden

Ein geschichtsträchtiger Ausflug

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Nach vielen regnerischen und trüben Tagen endlich ein Septembermorgen wie aus dem Bilderbuch! Alle sind wohlgelaunt und freuen sich auf einen schönen Tag.

Wir wählen die Strecke über die Dörfer und deshalb kann unser Präsident eine echte Überraschung noch ins Programm aufnehmen: wir sehen in Sasbach das Herrenhaus,in dem Herr von Papen, der letzte Reichskanzler vor Hitler seinen Lebensabend verbracht hat. Ein Gebäude, dessen Geschichte nur noch wenige Einheimische kennen. Sie wissen aber auch um das Brennrecht des Herrn Reichskanzlers und hüten als Schatz  noch Schnapsflaschen aus dieser Zeit! Der Präsident ist über das Etikett einer ihm geschenkten Flasche mit 60 jährigem Kirschwasser zu seinen  Nachforschungen angeregt worden. 

Nach diesem kleinen Exkurs geht es zum Turenne Denkmal in Sasbach. Obelisk und ehemaliges Wächterhaus, heute ein vom Haus der Geschichte in Stuttgart eingerichtetes Museum sind das Ziel. Herr Degen, der Kustos des Museums, führt uns detailreich in die Geschichte des Denkmals und der kleinen Sammlung ein. Ohne seine Ausführungen hätten wir nicht gewusst, dass das heutige Denkmal schon das fünfte im Laufe der Geschichte ist: und was für einer Geschichte: Turenne für die Franzosen der bedeutendste Kriegsheld nach Napoleon, der seinen Leichnam in den Invalidendom überführen lässt, wo die beiden Helden nun beisammen ruhen. Turenne für die Deutschen ein Mordbrenner, einer der großen Verwüster des Rheintals im Dienste des großen Sonnenkönigs. Und er "ist vertötet worden" auf der Anhöhe von Sasbach. Schon zu Zeiten des Kardinal-Erzbischofs Rohan, als Sasbach als Teil der Diözese Straßburg zu Frankreich gehört, wird dem Helden ein erstes Denkmal gebaut, das allerdings immer wieder zerfällt. Nach dem ersten Weltkrieg betreiben die siegreichen Franzosen den Wiederaufbau und zu Beginn des Zweiten brechen die Nazis es wieder ab. Doch nach 1945 wird es unter größtem Tempo für einen offiziellen Besuch von General de Gaulle wieder errichtet. So sehen wir es heute und durch Herr Degen wissen wir, dass die Steine des Obelisken aus dem Waldulmer Steinbruch stammen und dort schon behauen gelagert waren, um auf dem Reichsfeld in Nürnberg Verwendung zu finden. Oh, wenn Steine sprechen könnten!  

Nach dem Besuch des ausgezeichneten Museums fahren  wir nach Achern, um im neuen Restaurant " Malerhaus" gemeinsam zu tafeln.

Danach geht es in die Illenau: ehemals eine Vorzeigeeinrichtung für die Behandlung geistig und seelisch kranker Menschen errichtet 1842 vom badischen Großherzog und wegen seiner human-christlichen Krankenfürsorge bald in ganz Europa bekannt. Umso schrecklicher das Ende! 1940 durch den Ungeist der nazistischen Ideologie vom "unwerten Leben" werden die Kranken nach Grafeneck verbracht und dort ermordet. Welch ein Absturz in die Barbarei!

Ein tief berührender Gedächtnisweg führt uns an den die Geschichte der Illenau entfaltenden Gedenktafeln zu dem wunderbaren Friedhof der ehemaligen Anstalt. Heute ein Ort des Friedens, der mit seinen schönen Bäumen und Pflanzen zum Meditieren und Nachdenken einlädt.

Einen geruhsamen Ausklang findet der Tag in dem herrlichen Garten der "Talmühle" in Sasbachwalden.