DFG Baden-Baden
Tel:  +49 (7221) 2 51 10     
Fax: +49 (7221) 39 44 33     
Mail: info@dfg-baden-baden.de

05.12.2014

Adventskaffee 2014

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut und Peter Stahlberger

Der diesjährige Adventskaffee war in ganz besonderem Maße geglückt und ein Höhepunkt unseres zu Ende gehenden  Jahres.

Der Präsident konnte an den festlich gedeckten Tischen eine wohlgelaunte Kaffeegesellschaft begrüßen und ihr neben den leiblichen Genüssen auch solche für Seele und Geist ankündigen.

Unser Mitglied Ricardo Correa hatte mit Marianne Bricout und deren Mann Jean-Pierre eine große Überraschung vorbereitet. Aus einer französisch-deutschen Gedichtsammlung hatte das Trio Gedichte ausgewählt, die alle um das Thema der Vergänglichkeit der Zeit kreisten und so bestens in die adventliche Wartezeit passten. Die Mehrzahl der präsentierten Gedichte stammte ursprünglich aus den Federn deutscher Dichter. Deren Gedichte waren zum größten Teil von René Lasne ins Französische übersetzt worden. Sie  wurden von Marianne im deutschen Original und von Jean-Pierre in der französischen Übersetzung vorgetragen. Nur im Falle der berühmten "Les feuilles mortes" von Jacques Prevert beließen die Vortragenden es bei der ursprünglichen französischen Fassung. Ihren Zauber entfalteten die Gedichte aber durch die sie vorbereitende und begleitende musikalische "Umspielung",die Ricardo Correa selber dazu komponiert hatte und am Keyboard zu Gehör brachte. Es war schlichtweg ein Gesamtkunstwerk und alle Zuhörenden nahmen fasziniert wahr, wie auf diese Weise der Glanz der beiden Sprachen sich entfaltete. Wir verspürten die Schönheit einer Übersetzung und erlebten dann umso tiefer das Eigene der jeweiligen Originalsprache. Welch eine Glücksfall für unsere Gesellschaft, die sich ein immer tieferes Verständnis der beiden so reichen Kulturen und das heißt vor allem ihrer Sprachen zum Ziele gesetzt hat!

Wir konnten uns nur langsam von diesem klingenden "Zauberberg" wieder in die "Realität" begeben, freuten uns aber doch an den Genüssen der Tafel und an den wieder zum Erwerb angebotenen Weihnachtsleckereien. Unter großem Beifall dankte der Präsident den Bäckerinnen und unserer unermüdlichen Strickerin. Erst langsam löste sich die Runde auf und fand das Zuhause auch durch den Trubel des Weihnachtsmarktes.  

Als Textbeispiel sei hier in beiden Fassungen das Mörike Gedicht "Um Mitternacht" angefügt.  Eduard Mörike (1804-1875) hat das Gedicht 1828 veröffentlicht. Es lautet:

Gelassen stieg die Nacht ans Land,
lehnt träumend an der Berge Wand,
Ihr Auge sieht die goldne Waage nun
Der Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;
Und kecker rauschen die Quellen hervor,
Sie singen der Mutter, der Nacht, ins Ohr
Vom Tage,
Vom heute gewesen Tage.

Das uralt alte Schlummerlied,
Sie achtets nicht, sie ist es müd;
Ihr klingt des Himmels Bläue süßer noch,
Der flüchtgen Stunden gleichgeschwungnes Joch.
Doch immer behalten die Quellen das Wort,
Es singen die Wasser im Schlafe noch fort
Vom Tage,
Vom heute gewesenen Tage.

Die französische Fassung stammt von René Lasne. Sie ist entnommen der "Antologie bilingue de la poésie allemande" Presse de Gérard &Cie 1967. Die erste Auflage trug den Titel "Antologie de la poésie allemande des origines à nos jours. Textes, Traduction, Notices par René Lasne et George Rabuse, Edition Stock, Paris1943

Depuis qu’elle aborda si calmement la terre,
la nuit rêve appuyée à la paroi des monts
et contemple à présent le tranquille équilibre
des plateaux d’or, à la balance du Temps.
Les sources enhardies élèvent leur murmure
et chantant à l’oreille de leur mère, la Nuit,
ce que fut la journée,
la journée d’aujourd’hui.

Cette vielle berceuse du fond des âges,
la Nuit n’y prêt garde, elle en est lasse.
Elle écoute plutôt la chanson de l’azur
et le joug aux colliers égaux des heures brèves
- mais les sources ne font point trêves:
leurs eaux dans le sommeil continuent de chanter
ce que fut la journée,
la journée d’aujourd’hui