DFG Baden-Baden
Tel:  +49 (7221) 2 51 10     
Fax: +49 (7221) 39 44 33     
Mail: info@dfg-baden-baden.de

23.09.2014

Die große Liebe des jungen Gustave Flaubert

Ein tragisches Frauenschicksal  im Baden-Baden des XIX.  Jhs.

Bericht: Günther F. Klümper

Zu diesem Thema hatten die Deutsch-Französische Gesellschaft Baden-Baden und die Stadtbibliothek am Dienstag, dem 23. September 2014  eingeladen.

Wenn Flaubert jedem gebildeten Menschen bekannt sein dürfte, darf man im Falle Elisas nicht davon ausgehen, dass dies der Fall ist.

Umso mehr waren die zahlreichen Zuhörer, die vielleicht vergeblich versucht hatten, sich über das Thema zu informieren, gespannt auf die Ausführungen der Referentin Madeleine Klümper-Lefebvre, der es gelang , einiges Licht in das Dunkel des Lebens der Elisa Schlesinger , geborene Caroline Élisa Augustine Foucault zu bringen, die den 15jährigen Flaubert  am Strand von Trouville  bezaubert hatte und den die Erinnerung an diesen Zauber ein Leben lang verfolgt hat.

Mehrmals  hat er versucht, durch romaneske Verarbeitung sich diesem Zauber zu entziehen etwa in seinem der "Madame Bovary" ebenbürtigen, mehrmals überarbeiteten Werk "L'éducation sentimentale" ( Die Schule der Gefühle ), in dem Elisa Schlesinger als Madame Arnoux auftaucht.

Der Roman erzählt die Entwicklung des Provinzlers Frédéric Moreau, der nach dem Genuss des Pariser Lebens und einer aussichtslosen Liebe zu Madame Arnoux zum Immoralisten wird.

                                                      *

2005  hatte sich Literatur Professor Yvan Leclerc , Direktor des" Centre d' Études et de Recherche Gustave Flaubert" in Rouen  an Madeleine Klümper-Lefebvre   gewandt: man suchte nach möglichen Nachkommen der Elisa Schlesinger.

Die langen und komplizierten Nachforschungen der Referentin hatten Erfolg und vier Nachkommen wurden im Hochschwarzwald   ausfindig gemacht: Zwei Nachkommen 4. Grades und zwei 5. Grades dieser ersten großen Liebe Flauberts, die  lange Jahre in unserer Stadt gewohnt hatte,   schließlich geistig  verwirt in der Irrenanstalt  Illenau gestorben war und auf dem Stadtfriedhof  in Baden-Baden ihre letzte Ruhe gefunden hatte.

                                                     *

 Bei der Darstellung des langen, wechselvollen und erbärmlichen Lebens dieser Frau, vermied die Vortragende ein chronologisches Vorgehen und  erleichterte das Verständnis durch geschickte Wiederholungen . Sie  konnte durch Vor-und Rückgriffe die Spannung der Zuhörer bis zum Ende aufrecht erhalten.

Der Abend erhielt noch ein besonderes Gewicht dadurch, dass Nachfahren der Elisa es sich nicht  hatten nehmen lassen, aus dem Hoch- schwarzwald anzureisen, um dem Vortrag beizuwohnen.

 Etwa 20 von der Referentin erarbeitete und von der Leiterin der Stadtbibliothek hilfreich vorgeführte Bilddokumente erleichterten es den Zuhörer/innen,sich Schauplätze, Geschenisse und Personen zu vergegenwärtigen.