DFG Baden-Baden
Tel:  +49 (7221) 2 51 10     
Fax: +49 (7221) 39 44 33     
Mail: info@dfg-baden-baden.de

23.10.2014

„Die Napoleoniden in Deutschland und ihre Schlösser und Palais“

Vortrag: Dr. Uwe Seetzen

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Bis auf den letzten Platz war das DFG Forum besetzt als unser Napoleon Spezialist Dr. Uwe Seetzen uns Zuhörende mit seiner ruhig-souveränen Vortragsweise und dank einer vorzüglichen Bildauswahl, die kongenial von Dr. Ulrich Stier an die Wand projiziert wurde, in eine atemberaubende europäische Epoche entführte.

Da wurden Jahrzehnte lang Kriege auf dem gesamten Kontinent geführt. Die Landkarten galten immer nur für kurze Zeitabschnitte. Königreiche wurden errichtet, Amtssprachen verordnet, Konstitutionen und ganze Codices oktroyiert. Väter verschacherten ihre Töchter für einen Königstitel oder für die Großherzogswürde. Die Prinzessinnen waren nichts als Schachbrettfiguren im Machtkalkül der Herrscherhäuser. Schon eingegangene Verlobungen wurden wieder gelöst, um einer "höheren" Heirat willen. Auch Eheannulierungen wurden in Anspruch genommen, wenn der dynastische Nachwuchs ausblieb oder andere Konstellationen vorteilhafter erschienen. Militärische und politische Koalitionen wurden eingegangen und wieder gelöst ohne Rücksicht auf die absichtlich konstruierten Verwandschaftsbeziehungen. Weder Glaube noch Konfession waren Hemmnisse bei der Durchsetzung der jeweiligen Machtansprüche.

Das Volk existierte als handelndes und sich selbst bestimmendes Ganzes schlichtweg nicht. Es hatte Steuern zu zahlen, zu arbeiten, in die Kriege zu ziehen und den Mund zu halten. Letzteres wurde mit nackter Gewalt, durch Zensur erzeugtes Nichtwissen oder durch Blendung durch Staunen erregende Schloss-und Parkanlagen, Luxus und Prunk jeglicher Art und Feste zu erreichen versucht. Ein besonderes Beispiel war der in Kassel residierende "König Lustik".

Faszinierend waren die Ausführungen über das "Nachleben" der Napoleoniden nach Waterloo. Das "Schlussfeuerwerk" bildete Napoleon III. Noch einmal lebte das alte Europa auf, um dann endgültig im Lärm der Dampfmaschinen, im Rauch der Lokomotiven, im Rasen der Autos, im Taumel der Moderne unterzugehen.

Wie fremd doch durch den Nachglanz noch verlockender, empfangen uns Heutige die nun für den Tourismus offenen Schlösser: ob Arenenberg oder Kassel Wilhelmshöhe, ob Mannheim oder Fontainebleau. Wie reizend erscheinen uns die " verschacherten" Prinzessinnen in ihren schönen Kleidern wie Stéphanie Beauharnais oder Caroline Napoleon, Königin von Neapel.

Allzu rasch verflog der Abend und großer, lange anhaltender Beifall dankte dem Referenten.