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15.09.2015

Die Hugenotten und das Problem der Migration

Vortrag von Günter F. Klümper

Bericht und Bild: Dr. Heinrich Niederer  

Ça tombait bien: im Briegelacker fand eine Sitzung zur Aufnahmesituation von Flüchtlingen in Baden-Baden statt und in der Stadtbibliothek referierte Günter Klümper über die Entstehung der Hugenotten, die Verbreitung ihres Glaubens und ihren Jahrhunderte währenden Kampf um Anerkennung ihrer religiösen und bürgerlichen Existenz in Europa und schließlich der Welt.

Der Referent verankerte die Entstehung dieser Glaubensrichtung in der protestierenden Urgeste  Martin Luthers, den berühmten Thesen an der Türe der Schlosskirche zu Wittenberg. Von hier ging ein reformatorischer Feuersturm über das Alte Europa, der nicht nur die " una sancta et catholica ecclesia " zu einem Bekenntnis neben anderen umschmolz, sondern auch die politische Landkarte in schlimmsten Kriegen immer wieder umschrieb. Dies wäre freilich ohne Gutenbergs Buchdruckerkunst und ohne das Schießpulver in den Händen von unterschiedlichsten Machteliten nicht möglich gewesen.

In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte er die Fundierung des hugenottischen Glaubens durch Calvin und dessen Verbreitung vor allem in Frankreich. Dort musste  dieser Glaube als absolute Herausforderung der königlichen Macht verstanden werden. So kam es zu den blutigen Auseinandersetzungen, deren besonderer Tiefpunkt in der Bartholomäusnacht erreicht wurde. Erst das Edikt von Nantes schaffte ein wenig Beruhigung, um dann durch seine Aufhebung im Edikt von  Fontainebleau riesige Migrationsströme auszulösen. Dank der ganz besonderen "Willkommenskultur" des Großen Kurfürsten wurde Berlin zum bedeutendsten Sammelpunkt der hugenottischen Flüchtlinge.

Eindrucksvoll schilderte der Referent die verschiedenen Stadien der Integration. Seine Hinweise auf viele bedeutende hugenottische Persönlichkeiten - unter vielen anderen  Savigny und Fontane - und ihre Beiträge für die deutsche Gesellschaft und Kultur machten deutlich, welch unglaubliche Bereicherung von fremden, aber mit der aufnehmenden Kultur loyalen und solidarischen Gruppen, ausgehen kann. So wurden aus Flüchtlingen Menschen, von denen Bismarck einmal sagte, dass die Hugenotten die besseren Preußen seien.

Der Verweis auf das von den Hugenotten gegründete und alle Stürme der Zeiten überstanden habende Französische Gymnasium Berlin könnte als Leuchtturm für unsere heutigen Debatten dienen.