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Vortrag "Verkannte Frauen"

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Eine erfreulich große Gruppe von Frauen und immerhin vier Vertreter des Geschlechts,das oft als "Frauen-Verkenner" bezeichnet wird, hatte sich um die Vortragende Marlies Camboni versammelt.

Marlies Camboni öffnete den Blick auf dieses unermessliche Thema mit einem Foto von Clara Immerwahr:  Diese hochbegabte Chemikerin - erste deutsche Doktorin in diesem Fach - war allen Vorurteilen der damaligen Gesellschaft ausgesetzt: eine Frau als forschende und experimentierende Naturwissenschaftlerin in einer rein männlichen Wissenschaftswelt, Ehefrau eines künftigen Nobelpreisträgers der gleichen Fakultät, als Mutter von der Berufsarbeit ausgeschlossen, als Jüdin diskriminiert und schließlich als politisch Andersdenkende in den Selbstmord getrieben. 

Die Vortragende schloss ihre Ausführungen mit dem  Hinweis auf das Leben der ersten Frau von Albert Einstein: Mileva Mari?. Auch sie aktive Physikerin, intensiv mit dem Weltgenie zusammenarbeitend, so dass ernsthafte Forschungen ihr einen großen Anteil an der Entwicklung der Relativitätstheorie zuschreiben und doch schmählich von ihrem Mann verlassen mit einem entwürdigenden schriftlich niedergelegten Verhaltenskodex zum Schweigen gebracht.

Angesichts dieser beiden Beispiele war es geradezu aufbauend auch von Frauen zu hören, die trotz privater und gesellschaftlicher Widerstände ihre eindrucksvollen Begabungen doch entfalten konnten. So führte Aspasia, die Gattin von Perikles im damals männerbestimmten Athen einen viel besuchten philosophischen Salon. Madame Pompadour beeinflusste erfolgreich die Politik von Louis XV und entfaltete einen Lebensstil, von dem Frankreich heute noch zehrt. Selbst Fanny Mendelssohn-Hensel konnte einige ihrer Gaben praktizieren, während Camille Claudel ein furchtbares Schicksal beschieden war. Einziger Trost sind die wenigen auf uns gekommenen wunderbaren Plastiken dieser Bildhauerin von hohem Rang.

Großer Beifall dankte Frau Camboni für ihre spürbare Einfühlung in die Leben dieser von vielen "Umständen" behinderten Frauen.