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21.05.2015

Tagesfahrt ins Süd-Elsass

Fahrt ins Süd-Elsass zu kunst- und kulturhistorische Juwelen

Bericht und Bilder: Christel Schelshorn

"Wie herrlich leuchtet mir die Natur,

  Wie glänzt die Sonne, wie lacht die Flur..."

So pries Goethes in seinem im Elsass verfassten "Mailied" die paradiesische Natur zwischen Rhein und Vogesen- und so erlebten sie die Teilnehmer der Fahrt ins Süd-Elsass zu mittelalterlichen Städtchen und mächtigen Gotteshäusern der Romanik und Gotik.

Elsäßisches Begrüßungskomitée war gleich bei der Auffahrt auf die Schnellstraße nach Straßburg ein Storchenpärchen. Über die gerade noch gelungene Wiederaufzucht des elsäßischen Wahrzeichens- Meister Adebar war Ende der 60er Jahre nahezu ausgerottet- informierte Hellmut Bauer in seinem mit Wissen und  Engagement vorgetragenen Bericht. Wie zur Bestätigung seiner Ausführungen kümmerten sich auf dem Horst an der Raststätte Hochkönigsburg die emsig Nahrung herbeischleppenden Eltern um ihren Nachwuchs.

Auch auf den Kirchtürmen und Giebeldächern der bezaubernden Orte  an der Elsäßischen Weinstraße  betüttelten die dekorativen Vögel mit den roten Schnäbeln ihre Jungen. Wir aber konnten uns auf diesem "Filetstück der Route du Vin" - so Organisator Max Dugge über die Strecke zwischen Bergheim, Ribeauvillé und Kaysersberg - nicht satt sehen an schmucken Dörfern,  gekrönt von Burgen aus der Stauferzeit,  und den weitgeschwungenen Weinbergen im Maigrün. Über  die Rebsorten, die dort heranreiften und besonders über die edlen elsäßischen Weißweine wie Riesling, Pinot blanc et gris  sowie Tokay und Gewürztraminer, informierte unser Önologe  Max Dugge.

Außergewöhnliche Weine aus besten Lagen, die in 56 Weinkellern heranreifen, machen den Ruhm des mittelalterlichen Eguisheim aus. Um es vor habgierigen Eroberern zu schützen, hat es sich gleich mit zwei Stadtmauern und zweifachen Stadttoren umgürtet; sie sind konzentrisch  um das Herzstück des Ortes angelegt: die Burg aus dem 13. Jahrhundert, von der nur noch Mauerreste erhalten sind. Unsere einheimische Führerin ließ uns die schmalen Fachwerkhäuser entlang der Stadtmauern, die gegenüberliegende Ställe, die blumengeschmückten Zehnthöfe  entdecken und machte uns auf die in Fachwerkholz  oder Sandstein eingravierten Inschriften aufmerksam. Niemand, der nicht dem  Zauber dieses elsäßischen Juwels erlegen wäre!-

Dem berühmtesten Sohn der Stadt, Papst Leo IX., ist die Brunnenstatue auf dem Schlossplatz gewidmet sowie die neoromanische Kapelle im Hof der einstigen Burganlage. Ihre Fresken schildern Szenen aus dem Leben des bedeutendsten deutschstämmigen Papstes, der u.a. den Zölibat wieder einführte.

Das Elsassglück wäre nicht vollständig ohne Baeckaoffe, Quiche, Zwiebelkuchen oder Zander in Rieslingsauce, begleitet von einem kühlen Riesling! Allen Teilnehmern mundete es trefflich, ob beim Traiteur in der Sonne auf dem Schlossplatz oder  an den Tischen mit rotkarierten Decken in der Winstub  "Auberge des trois châteaux".

Bester Laune ging's dann nach Süden , in die einstige Hauptstadt der "Oberen Mundat", nach Rouffach. Zusammen mit den Vogteien Eguisheim und  Soultz  war die Mundat  das oberrheinische Besitztum der Straßburger Bischöfe, so unsere Rouffach-Führerin Christel Schelshorn. Mit einer doppelten Stadtmauer schützte sich der Ort gegen das expansive Bistum Basel, zu dessen geistlichem Gebiet Rouffach  gehörte. So spiegelt denn auch die imposante Mariä -Himmelfahrt-Kirche ( Notre Dame de l'Assomption ) stilistische Einflüsse sowohl des Basler als auch des Straßburger Münsters wider. Die Front mit dem Hauptportal mit der riesigen Fensterrosette  nimmt sich wie die kleine Schwester der Straßburger Westfassade aus. Die Barbaren der Französische Revolution zerstörten jedoch den Skulpturenschmuck bis auf die schwer erreichbaren Wasserspeier. Von der Meisterschaft des Wölflin von Rouffach zeugen seine Skulpturen im Inneren: die figürlichen Konsolen  , auf denen die Gewölbe des langgezogenen Chors ruhen, und vor allem die bezaubernden kleinen Köpfe einer jungen Frau und eines jungen Manns; ihr sphinxhaftes Lächeln , das berühmte "sourire de Rouffach" war begehrtes Kameramotiv. Von der vornehmen Schlichtheit des gotischen Langhauses, frühestes Beispiel eines rein gotischen Baus solcher Dimension im Elsass, waren alle beeindruckt. Ebenso von dem imposanten Vierungsturm, dem "Finger der Stadt"; doch die Türme der Westfassade harren noch immer ihrer Vollendung. Einzigartig im Elsass ist der riesige Markplatz mit seinem Ensemble aus der Renaissance: der Kornhalle, dem Hexenturm und dem zweigiebligen Rathaus. Alte Linden beschatten den Platz, weit und breit keine Souvenirstände und auch von Touristenbussen keine Spur! Rouffach, eine unentdeckte Schöne!

Beflügelt von dem Fluidum des Städtchens freuten wir uns auf das nächste kunsthistorische Juwel: auf die romanische Kirche in Ottmarsheim, die der Aachener Pfalzkapelle nachgebaut ist. Eva Dugge wollte uns durch die Kirche führen und auf ihre Besonderheiten aufmerksam machen. Doch unser Bus verweigerte die Weiterfahrt. Und als er nach fast einer Stunde immer noch kein Lebenszeichen von sich gab, schwangen wir uns in den Linienbus, der uns vor dem Colmarer Bahnhof absetzte. Dank der riesigen Portionen von Rhabarberkuchen, vacherin glacé und meringue, begleitet von den passenden Getränken , die uns das Belle Epoque Grand Hotel Bristol draußen im Sonnenschein servierte, verflog die Enttäuschung über das Verpasste. Als dann der Ersatzbus eintraf und uns sicher gegen 21 Uhr in Baden-Baden absetzte, waren sich alle einig: wir haben ein bezauberndes Stück Elsass neu oder wieder entdeckt.