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23.11.2015

"Der Geizige oder die Schule der Lüge" oder "Die Geizigen"

Einführung in französischer Sprache von Madeleine Klümper-Lefebvre

Bericht und Bild: Dr. Heinrich Niederer

Bei ihrer traditionellen Einführung hatte sich unsere MKL diesmal einer besonderen Herausforderung zu stellen.

Das TBB bietet in dieser Saison seinem Publikum eine Welturaufführung an. Es handelt sich um ein vom Theater in Auftrag gegebenes Stück, das der Autor Stephan Teuwissen unter dem Titel "Die Geizigen" in Anlehnung an die beiden für dieses Thema einschlägigen klassischen Autoren Molière und Plautus geschrieben hat.

Diese Konstellation erforderte von der Einführenden einen ganz ungewöhnlich Zugriff. Sie stellte deshalb ihre Ausführungen unter den Titel "L'Avare et l'avarice toujours d'actualité".

So konnte sie zunächst den Geiz im Kontext der sieben Todsünden des christlichen Glaubens aufspüren und auf die diesbezügliche Verdammung des Geizigen hinweisen. Von da aus war es nur ein Schritt in die entsprechende Gedankenwelt des großen Kirchenlehrers Thomas von Aquin. Und dies ermöglichte ihr auf seine Quellen - die Geißelung dieses Lasters in der Antike - hinzuweisen. Nun war es nur noch ein kleiner Sprung zu Plautus und seiner Komödie, die ihrerseits von Molière aufgegriffen worden war.

Bei Molière angelangt konnte MKL endlich in den Ozean der Klassischen Epoche des französischen Geisteslebens eintauchen und Molières Ansatz zum Beispiel mit den Fabeln von Lafontaine vergleichen. Dabei gelang ihr eine besondere Kontrastierung, indem sie auf die zweite Hälfte des Originaltitels von Molières Komödie hinwies: "L'Ecole du mensonge": Der Geizige verliert nicht nur alles, indem er sich nur um das Eine, nämlich die Anhäufung von Geld kümmert, er entrinnt auch nicht der unaufhörlichen Lüge,die ihn selbst und seine Umwelt unauflösbar bis zum Ersticken umgarnen.

Nach einem kurzen Blick in Inhalt und Aufbau der Komödie räsonierte MKL über den befremdlichen Titel, den der Theaterautor Teuwissen gewählt hatte. Vielleicht regt die Formulierung "Als Geiz noch nicht geil war" am meisten zum Nachdenken an und macht richtig gespannt auf das neue Theaterstück.

Aber MKL wäre nicht sie selbst, wenn sie die Zuhörerschaft mit bloßem Räsonnement entlassen hätte. Zum Schluss verblüffte sie die Anwesenden mit der ganzen ihr zu Gebote stehenden Theatralik mit der Darbietung einer Schlüsselszene aus Molières "L'Avare ou L'Ecole du mensonge".