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27.11.2013

Chinesisch, eine Schrift mit 7 Siegeln?

Bericht:Dr. Ulrich Stier
Bilder: Gerhard Kesselhut und Dr. Ulrich Stier

In einem großen Bogen von den vorchristlichen Ursprüngen bis zu den Reformbemühungen der KPC umriss China-Expertin Marie-José Stier-Reffienna die Entwicklung der chinesischen Schrift. Die enorme Komplexität der Piktogramme (bis zu 33 Striche in der richtigen Reihenfolge!) und die Kontinuität der Schriftkultur (Texte aus den Anfängen des Reichs der Mitte sind heute noch lesbar) machen das Erlernen diese Schrift zu einer lebenslangen Aufgabe. Von den etwa 87.000 Schriftzeichen sind heute viel weniger im täglichen Gebrauch. Mit 2.000 Zeichen gilt ein Chinese als „alphabetisiert“. Anhand zahlreicher Beispiele erklärte Marie-José, die seit 15 Jahren Chinesisch studiert, die innere Struktur der Schriftzeichen, der Regeln der Schreibweise, von den Elementarzeichen (Radikale) bis hin zu Pinyin, der normierten Umschrift der  Zeichen in unser Alphabet. Da es keine Tastatur mit 3.000 Tasten gibt, ist Pinyin die einzige Möglichkeit, in Umlautschrift alle Zeichen bequem zu schreiben.

Der interessierte Laie wird sich fragen, was das alles mit Frankreich zu tun hat: Das erste chinesische Wörterbuch mit 125.000 Zeichen wurde vom Sonnenkönig Louis XIV in Auftrag gegeben.

Es war eine anspruchsvolle und aufklärende Einführung in die Prinzipien der chinesischen Schrift, die die Kultur, insbesondere die Lernkultur Chinas maßgeblich beeinflusst hat und immer noch prägt. Die vielen Zuhörer und -hörerinnen (das Forum war bis zum Bersten gefüllt) dankten mit viel Beifall und Anerkennung für ein Hobby mit mehr als 7 Siegeln.

 

Ein Gedicht und Kalligraphie von Kaiser Huizong (1082-1135) im Stil „Schlankes Gold“.