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Recherches Musicales

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Es war ein kleiner Kreis von Interessierten, der sich zu diesem, auf den ersten Blick womöglich etwas abseitigen Thema versammelt hatte. Vielleicht kam noch die Ankündigung dazu, dass der Referent seine Ausführungen in französischer Sprache halten würde. Wer aber diese beiden Hürden überwunden hatte, wurde reich belohnt.

Unser Mitglied, Herr Ricardo Correa, Musiker, Dirigent und Musikwissenschaftler  beschenkte die Runde mit überraschenden Einblicken in seine außergewöhnlichen beruflichen Tätigkeiten.

Viele Jahre war er an der "Fondation pour la diffusion de la musique ancienne" in Neuchâtel tätig. Dort entdeckte und erforschte er die Musik alter Komponisten, die schon fast ganz vergessen waren und/oder deren Partituren nur noch verstümmelt oder größtenteils verschollen waren. Solche Recherchen führten ihn wie im Falle des Komponisten Francesco Manfredini u.a. nach Monaco. Einer der Grimaldis, Fürst Albert I. , war selber Musiker und Musikliebhaber und hatte eine der ganz besonders gut bestückten Musikbibliotheken. So gelang es, die Musik Manfredinis wieder zum Leben zu erwecken und in das Repertoire der heutigen Konzerthäuser zu überführen. Ähnliches berichtete Herr Correa von seinen Bemühungen um die Musik von Jean-Philippe Rameau aber auch von den Untersuchungen über die Auseinandersetzung des jungen Mozart mit der Musik von Johann Christian Bach. Ein besonderer Fund gelang seinem Team durch die Wiederentdeckung von Giuseppe  Gherardeschi.

Dank der modernen Medien konnte Herr Correa uns auch mit Hörproben verzaubern, die uns in die so weit entfernte Welt des feudalen Europas und seiner Musikgenüsse entführte. Besonders anrührend die Liebesseufzer, die Rameau (siehe Bild rechts) einem seiner Sänger auf die Zunge legte aber auch die kraftvoll schönen Melodien des Italieners Gherardeschi.

Gerade diese beiden Musikbeispiele ermöglichten Herrn Correa interessante Hinweise auf die Unterschiede zwischen dem Gesang in der italienischen und der französischen Sprache. Ebenso wies er auf fundamentale Unterschiede in der Musikkultur der beiden lateinischen Nationen Italien und Frankreich hin. 

Sehr aufschlussreich waren seine  Anmerkungen zu Neuchâtel und der Schweiz als Ausgangspunkt solcher Forschungen. Nicht nur der Reichtum und das große Mäzenatentum prädestinieren dieses Land als Sitz solcher Forschungseinrichtungen sondern auch der Umstand, dass die Schweiz durch alle Jahrhunderte hindurch Flucht-und Exilland für vermögende und kultivierte Menschen gewesen ist, die oft ihren Nachlass dem gastfreundlichen Land hinterlassen haben und sich deshalb heute dort ganz besondere auch musikhistorische Schätze befinden.

Allzu rasch endete der so abwechslungsreiche Vortrag mit seinen Bild-und Tonbeispielen. Die Anwesenden spendeten reichlichen Beifall und freuten sich, dass der Präsident in Anspielung auf die kreativitätssteigernde Kraft des Weines, von der neben vielen anderen Komponisten auch Haydn reichlich Gebrauch gemacht hatte, Herrn Correa ein Fläschchen hiesigen Weines überreichte.

Wer sich mit der Arbeit der Fondation vertraut machen möchte, der sei auf die Reihe "MusicRenaissance" bei YouTube hingewiesen. Einen besonderen Einblick gewährt das  Video "Journées Internationales de Musique, Suisse".