DFG Baden-Baden
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Soirée "Rouge et Noir" im Casino Baden-Baden

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bilder: Gerhard Kesselhut

Unsere Einladung ins Casino, dem "französischsten" Ort Baden-Badens, hat ein großes Echo hervorgerufen. Viele Mitglieder, deren persönliche Gäste aber auch Angehörige der DFG Freiburg und des CFA Colmar ,insgesamt 80 Personen - dabei erfreulich viele Junge und im aktiven Leben Stehende haben sich in den prächtigen Räumen wohlgefühlt.

Als Vertreter der "Freunde Martiniques und der Karibik" konnte der Präsident deren Präsidenten, M. Chéri-Zégoté, begrüßen.

Das Menü war dieses Jahr drei Kaiserinnen gewidmet: der Zarin Elisabeth, der Kaiserin Augusta und der Kaiserin Elisabeth, besser unter dem Namen Sissi bekannt. In seinen Redebeiträgen vor dem jeweiligen Gang schälte der Präsident die Gemeinsamkeit der drei Persönlichkeiten heraus.

Alle drei Kaiserinnen haben Baden-Baden gekannt und durch zum Teil häufige und sehr lange Aufenthalte lieben gelernt. Alle drei sind nach 1789 in ihr hohes Amt gekommen und haben den weltgeschichtlichen Bruch, den dieses Datum bedeutet, vollkommen bewußt erlebt. Alle drei waren begabte, gebildete, mehrere Sprachen und das royale  Protokoll vollkommen beherrschende Frauen. Und alle drei wurden in Lebensentwürfe gezwungen, die ihre Gaben nicht zur Entfaltung brachten.

Die von allen Quellen als besonders hübsch gepriesene Prinzessin Luise von Baden mußte zum orthodoxen Glauben übertreten und ihren Mädchennamen aufgeben, um als Elizaweta am Hof in Petersburg ihre kaiserliche Rolle übernehmen zu können. Die einzige ihr zugewiesene Aufgabe war die Geburt eines Thronfolgers. Die Geburt ihrer Töchter erleichterte ihre Stellung am Hofe nicht. Das Ehepaar lebte sich auseinander und tröstete sich mit je eigenen Liebhabern. In der Politik Russlands durfte sie ausschließlich karitativ "tätig" werden.

Die spätere Augusta von Preußen empfing ihren Verlobten, den späteren Kaiser Wilhelm I. mit dem Ausdruck der Hoffnung, ihn mit ihrer Person über den Verlust seiner eigentlichen Liebe trösten zu können. Mit der Geburt des Thronfolgers hatte sie ihre wichtigste Aufgabe erfüllt. Alle ihre Versuche, auf die "Kultur" des Hofes oder gar auf die Politik Einfluss zu nehmen, stießen auf erbitterten Widerstand und wurden systematisch unterdrückt. Auch sie durfte sich nur karitativ  betätigen, was bis zum heutigen Tag vom Hofbildhauer Joseph Kopf in Stein gemeißelt in unserer Lichtentaler Allee zu sehen ist.

Sissis berühmte Reaktion auf die Ankündigung ihrer Mutter, dass der österreichische Kaiser sie zu ehelichen beabsichtige, " wenn er bloß kein Kaiser wär", fasste die Abgründe zusammen, die die Lebenshoffnungen dieser Frau von ihren kaiserlichen Pflichten trennten. Nach der Tragödie von Mayerling hatte sie nicht einmal mehr den Trost,ihre "Geburtsaufgabe" zufriedenstellend gelöst zu haben. Ihre Ermordung in Genf war der Schluss eines ruhelosen Lebens.

Wer die Leben der drei Kaiserinnen einbettet in die jeweiligen weltgeschichtlichen Lagen, der versteht die Widmung des diesjährigen Menüs zum Quartorze Juillet. Das Ziel der an diesem Tage erinnerten Revolution, am knappsten zusammengefasst in ihrem Credo:  "Liberté - Égalité - Fraternité" sollte ja gerade jedem Menschen die Verwirklichung und Entfaltung seiner Gaben ermöglichen. Daran wollte das "Drei Kaiserinnen Menü" erinnern.

Nach dem gemeinsamen Diner besuchten die meisten von uns die Spielbank in ihren herrlichen Sälen und manchen war das Glück so hold, dass sie den Abend auch mit einem finanziellen Gewinn beendeten.