DFG Baden-Baden
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Günther Klümper liest aus seiner Erinnerungstrilogie

Bericht und Bild: Dr. Heinrich Niederer

Trotz hochsommerlicher Temperaturen und der Fußball Weltmeisterschaft war der Gartensaal der Stadtbibliothek voll besetzt. Frau Direktorin Münch begrüßte Günther Klümper und seine Frau Madeleine als Vertraute des Hauses, die seit Jahren in der Stadtbibliothek sowohl für die allgemeine Öffentlichkeit als auch für die Mitglieder der Deutsch-Französischen Gesellschaft Baden-Baden unermüdlich wichtige Themen anbieten.

An diesem Abend hatte Günther Klümper (Jahrgang 1923) zur Vorstellung seiner drei Erinnerungsbücher eingeladen: "Ein Pimpf erinnert sich" , "Du bist nichts ,Dein Volk ist alles" , "Nach Ostland wollen wir reiten..." Sich mit seiner Frau im Vortrag abwechselnd entstand ein Bilderbogen eines Menschen dieser Generation, der von Kind an in eine Welt hinein gelebt wurde, deren Werte er erst nach der Katastrophe zu durchschauen lernte.

Unter dem Motto Ovids "Wehret den Anfängen" nimmt sich der Autor den Wollknäuel seiner Erinnerungen vor und erkennt bei seiner erinnernden Entwirrungsarbeit wie er selbst ab seiner Geburt in eine Welt integriert wird, die seine Persönlichkeit von Anbeginn formt. Elternhaus, Kirche und Schule und wiederum deren Verwobenheit mit den umfassenden ökonomischen und politischen Gegebenheiten der ganz besonderen Jahre von 1923 bis 1945 in Deutschland machen aus diesem Kind einen jungen Mann, der noch vor dem Abitur die Schule abbricht und begeistert sich zum Kriegsdienst meldet. Die Realitäten der Ostfront und die alles verschlingende Katastrophe führen danach zu einem lebenslangen Engagement für eine humane Welt.

"Wehret den Anfängen!" ist für Günther Klümper der Schlüssel für eine Bewahrung vor dem Abgrund. Und was sind die Anfänge? Eine Welt, deren Werte unsicher geworden sind wie in der Weimarer Republik; eine schlechte Wirtschaftslage, deren Gründe man anderen in die Schuhe schieben kann; eine Ausbeutung der Ängste von Menschen, deren Möglichkeiten zum Erwerb eines eigenen Urteils systematisch unterbunden werden; Versprechungen von Wohlstand und Lebensstolz bei Befolgung der subkutan arbeitenden Propaganda und vieles mehr.

Die anschließenden Wortmeldungen zeigten die Betroffenheit der Zuhörenden. Wie sehr hätte man sich die Anwesenheit der nachwachsenden Generationen gewünscht, um mit ihnen die heutigen "Anfänge" aufzuspüren und zu diskutieren.