DFG Baden-Baden
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La Princesse de Trebizonde

Bericht: Dr. Heinrich Niederer

Was war das für ein Baden-Baden in jenem Hochsommer 1869 !  Die europäischen Hauptstädte Paris, Wien, London und St.Petersburg dämmerten im Sommerschlaf dahin. Die Mächtigen, die Reichen und die Schönen aus dem "Alten Europa" erholten sich in der Kühle der "Capitale d'été im Tal der Oos zu Füßen des "Forêt Noire" Dorthin hatte sie ein genialer Vergnügungsimpresario gelockt: Eduard Bénazet erschuf mit seinen Goldtalern aus dem Casino eine bukolische Welt aus Spiel, Tanz, Theater, Jagdvergnügen und Musik. Auch für seinen Neffen, Émile Dupressoir, der 1867 nach dem Tod seines Onkels die Spielbank übernommen hatte, war es selbstverständlich für die Verwöhnten den neuesten Star aus Paris zu engagieren: Jacques Offenbach, der für ihn eine "Opera Bouffe"  komponierte und sie selbst in dem neuen reizenden Theater dreimal mit größtem Erfolg aufführte.

146 Jahre später kommt es zu einer wunderbaren Zusammenarbeit: die zu den Osterfestspielen in der Stadt weilenden Berliner Philharmoniker bringen gemeinsam mit dem Ensemble des TBB die Oper am Originalschauplatz wieder zur Aufführung. 

Das war der Anlass für Madeleine Klümper-Lefebvre, zu einer Einführung in diese Opéra  Bouffe von Jacques Offenbach in den Spiegelsaal unseres Theaters einzuladen. Sie hielt ihr Exposé für  "La Princesse de Trebizonde" natürlich in französischer Sprache.

Nach einer kurzen Übersicht über das Personaltableau und die Handlung des Stückes setzte sich MKL intensiv mit dem Genre der Opéra  Bouffe auseinander. Sie war in dieser Form eine Erfindung von Jacques Offenbach, der den italienischen Ausdruck "buffo" französisierte. Diese Opernform war für den "Spottvogel" Offenbach das ideale Ausdrucksmittel, um in einer von der Zensur beschützten aristo-bourgeoisen Gesellschaft des zweiten Kaiserreiches den noch verbliebenen kritischen Geistern ein Vergnügen zu bereiten.

Einen weiteren Abschnitt ihrer Ausführungen widmete MKL dem Künstler: Jacques Offenbach, eigentlich Jakob Eberst, geboren 1819 als Sohn eines jüdischen Kantors zu Köln sog schon mit der Muttermilch Musik ein. Der Vater lehrte ihn Violoncello und die Mutter das Piano. Wegen seiner überragenden Fähigkeiten - man nannte ihn bald den "Paganini des Violoncellos" - wurde er schon mit vierzehn Jahren im ehrwürdigen Konservatorium von Paris aufgenommen. Seine Unbotmäßigkeit beendete seine Schülerschaft allerdings rasch. Doch das Glück war ihm hold und mit verschiedenen Engagements konnte er sich bald selbst ernähren und so seine steile Karriere beginnen. 1860 wurde er Franzose, nahm den Namen Jacques an,verheiratete sich als konvertierter Katholik mit einer Französin, die ihm fünf Kinder gebar. In den Achtzigerjahren war er ein gefeierter Star am Musikhimmel von Paris und nach einer triumphalen Amerika Tournee auch in den USA. Sein "galop infernal" ,der in den Etablissements des Montmartre als  "Cancan" vermarktet wird, ist bis heute so weltberühmt, dass die wenigsten, die ihn mit Begeisterung hören, überhaupt seinen Urheber kennen.

Doch auch ihn schützte all sein Ruhm nicht vor den Umschwüngen der Politik. Nach 1871 wurde er in Frankreich plötzlich als Deutscher wahrgenommen und in Deutschland als Franzose und so wurde sein Werk auf beiden Seiten des Rheins in Misskredit gebracht. Es brauchte einige Zeit bis seine Musik wieder mit Lust und Humor genossen wurde. Im 20. Jahrhundert ging es ihm nicht besser. Von 1939 bis 1948 wurde sein Werk in Frankreich nicht aufgeführt.

Die Anwesenden dankten Madeleine Klümper-Lefebvre mit großem Beifall für Ihre so lebendig und mit ansteckender  Begeisterung vorgetragene Werkeinführung.

 

Bilderquelle: Badisches Tagblat, Ausgabe vom 18. März 2015