DFG Baden-Baden
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25.07.2015

Deutsch-Französische Gesellschaft Baden-Baden verleiht zum ersten Mal den Ginette Neveu Preis.

Bericht: Dr. Heinrich Niederer
Bildder: Korinna Niederer

Dank eines großzügigen Legats ihres verstorbenen Präsidenten Jean-Marc Culas hat die DFG Baden-Baden die Förderung junger Künstler in ihr Programm aufgenommen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Förderrahmen machte uns Herr Funk, der Leiter der Jugendmusikschule Clara Schumann auf die Carl Flesch Akademie,deren Organisation weitgehend in seinen Händen liegt, aufmerksam. Im Rahmen dieser Akademie versammeln sich alljährlich junge Musiker aus aller Welt in unserer Stadt,um unter der Leitung erfahrener Professoren ihre Fähigkeiten zu vervollkommnen. Da diese Professoren auch bereit sind, die jungen Talente im Blick auf eine Preiswürdigkeit zu beurteilen, galt es noch einen Patron/in für den Preis zu finden. Herr Funk schlug uns die in Frankreich hochverehrte, bei uns weithin unbekannte Geigerin Ginette Neveu vor. Ihr Lebenslauf prädestiniert sie zur geradezu idealen Preispatronin der DFG Baden-Baden.

In ihrem "Ultimativen Stadtführer Baden-Baden" haben Wolfgang Peter und Rika Wettstein eine eindrückliche Biographie von Ginette Neveu zusammengestellt. Ihr können  wir die wichtigsten  Lebensstationen der berühmten Geigerin entnehmen:

Ginette Neveu wird 1919 in Paris geboren. Schon als Kind beginnt sie mit dem Geigenspiel, tritt als Siebenjährige zum ersten Mal öffentlich auf, erhält mit neun Jahren den Ersten Preis der Pariser Musikhochschule und einen Ehrenpreis der Stadt Paris. Ihre Ausbildung genießt sie am berühmten Pariser Konservatorium und nimmt schon 1931 an einem internationalen Wettbewerb in Wien teil, bei dem Carl Flesch auf sie aufmerksam wird. Als dieser nach Paris fliehen muss und dort Lehrer am Konservatorium wird, ist er ihr Lehrer. 1935 gewinnt sie in Warschau einen bedeutenden Preis, der ihren Ruf als weltbeste  Geigerin überall hin verbreitet.

Der Weltkrieg unterbricht ihre Karriere. Sogleich nach dessen Ende unternimmt sie wieder Konzertreisen. Zum ersten Mal spielt sie am 25. April 1948 in unserer Stadt und am 25. September 1949 verzaubert sie das hiesige Publikum, als sie unter Leitung von Hans Rosbaud mit dem neu gegründeten Sinfonieorchester des Südwestfunks Beethovens Violinkonzert vorträgt. Von diesem Konzert gibt es noch einen Mitschnitt.

Einen Monat später am 20. Oktober 1949 verunglückt Ginette Neveu bei einem Flugzeugabsturz auf dem Weg zu einer Konzertreise in die USA. Ihr Grab auf dem Père Lachaise ist immer noch ein Pilgerort ihrer vielen, in der ganzen Welt beheimateten Verehrer und Verehrerinnen, zu denen auch Anne-Sophie Mutter gehört.

Eine bessere Patronin konnte die DFG Baden-Baden nicht wählen. Und einen Glücksfall stellt auch der junge Geiger dar, der nach dem Urteil der Carl Flesch Professoren den ersten von uns verliehenen  Ginette Neveu Preis verdient hat: 

Shuichi Okada, der "französischte aller japanischen Geiger"!  Seine Eltern sind Japaner, die in Bordeaux berufstätig sind. Dort wird er 1995 geboren, wächst er in der Stadt an der Garonne auf, kommt zum Geigenspiel , weil er ein Mädchen in der Nachbarschaft spielen hört, studiert am berühmten Conservatoire de Paris -  an dem Carl Flesch Ginette Neveu unterrichtet hat - und spielt heute schon mit Orchestern in Avignon, Nancy, Weimar, Paris und Bukarest. Ebenso ist er an vielen Festivals in Frankreich und in vielen Ländern Europas zu hören und all das mit gerade 20 Jahren! Da verwundert es nicht, wenn die Pianistin Kira Ratner, die bei unserer Soirée Rouge et Noir am Quatorze Juillet gespielt und Shuichi Okada bei den Unterrichtsstunden in der Flesch Akademie kennen gelernt hat,schreibt: "Die Entscheidung einen Preis an Shuichi Okada zu verleihen, begrüße ich sehr. Er ist ein unglaublich begabter und engagierter junger Geiger mit großer Zukunft."

Bei der Übergabe der diesjährigen Preise an die Teilnehmer der Carl Flesch Akademie 2015 konnte der Präsident in Anwesenheit aller "Fleschis", aller ihrer Professoren, der Frau Oberbürgemeisterin und den anderen Preisstiftern Herrn Shuichi Okada den mit 1000€ dotierten Preis überreichen.

So ist das Legat unseres unvergessenen Jean-Marc Culas zur Förderung eines jungen Künstlers verwendet worden, dessen Geigenspiel nicht nur unsere beiden Völker diesseits jenseits des Rheins verzaubert, sondern auch einen Bogen bis nach Japan spannt.

Mögen doch viele unserer Mitglieder diese erste Preisvergabe und den jungen Preisträger zum Anlass nehmen, das Legat von Jean-Marc so aufzustocken, dass wir auch in den kommenden Jahren junge Künstler fördern können.